Starcraft 2 – Der Test

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Ich bin kein Fan von Strategiespielen. Zu viel Geklicke, dutzende Tasten auswendig lernen und am Ende wird man doch nur besiegt weil ein Freak die Über-Einheit viel besser spammen kann am man selbst. Ich bin kein Fan dieser Strategiespiele und ich mag auch Starcraft II nicht. Ein aufgeblasener Vorgänger ohne echte Neuerungen. Schlimmer noch, das Strategiegenre erlebt endlich mal einen Aufschwung an Kreativität, neue Ideen werden ausprobiert immer neue Möglichkeiten. Dem wird Starcraft II den Riegel vorschieben, da es mal wieder extrem erfolgreich sein wird und weil mal wieder alle versuchen das nachzumachen und die Entwicklung im RTS Genre stagnieren wenn nicht sogar zurückfallen wird.

Ich mag das Spiel nicht und mich kotzt der Hype darum gnadenlos an. Ich habe mir von einem Bekannten (Legnum aus dem GSPB) einen Buddy-Key erhalten wo ich 7 Stunden Zeit hatte das Spiel anzutesten und es zu bewerten. Ich wollte Objektiv sein, ich wollte gnadenlos sein,  jeden einzelnen Fehler aufzählen und das Spiel als das entlarven was es ist. Ein gehyptes 0815 Spiel.

Nach 5 Stunden hab ich es mir gekauft und treibe mich nun jedem Abend im Starcraft Universum rum. Wie es dazu gekommen ist? Lest weiter.

Story:

Ich war dabei als das erste Stacraft released wurde, ich bin noch einer derjenigen welche das Addon Brood War auf Original-CD haben. Ich war damals ca 12-15 und hatte mit dem Spiel so meine Probleme, so da sich die Kampagne teilweise nur mit Cheats geschafft hatte. Ich fand die Story damals aber gut, und hab sie bis heute nicht vergessen.

Für alle die es nicht wissen eine kurze Zusammenfassung:

Die Kolonien der Menschen wurden von einer Außerirdischen Rasse namens Zerg angegriffen, am besten zu vergleichen mit den Aliens aus den Alienfilmen. Insektoiden, erbarmungslos tödlich. Als wäre das nicht genug taucht noch eine dritte Rasse auf,die Protoss, die begeistert jeden Planeten flambieren auf denen Zerg gesichtet wurden. Man verfolgt nun die Geschicke dreier Personen, Marshall Jim Raynor, ein Mensch der gegen die Zerg kämpft und sich am Ende mit den Protoss verbündet um sie zu schlagen, Sarah Kerrigan die Freundin von Raynor, die von den Zwerg gefangen und in die Königin der Klingen verwandelt wurde. Und Tassadar einen Protoss, der sich am Ende heldenhaft opfern darf.

Nun sind 4 Jahre vergangen, die Zerg leben zurückgezogen auf einem Planeten, die Protoss sind irgendwo und Raynor sitzt versoffen in einer Bar und trauert noch immer Kerrigan hinterher. Dann melden sich mit einem Schlag die Zerg zurück und das Abenteuer beginnt erneut.

Ich will nicht zu viel spoilern deswegen soll das als Hintergrund Info reichen.  Interessant dürfte erst mal sein das man (bis auf eine kurze Ausnahme) nur Terraner spielen kann.  Auch wirken die Charaktere seltsam platt. Bei SC1 haben sich die Charaktere regelmäßig in der Missionsbesprechung gezofft, nur um dann während der Mission weiter zu diskutieren, so das man beim Spielen weiter zuhören konnte. Das ist bei Starcraft 2 nicht so. Bei der Missionsbesprechung sagt jeder mal einen Satz dazu und während der Mission hört man kaum was, wenn gerade mal einen One-liner. Nichts zu vergleichen mit dem ersten Teil.

Aber bei Starcraft II steckt der Teufel buchstäblich im Detail. Den Blizzard macht das was sie am besten können. 0815 aber das so genial inszeniert das man es einfach lieben muss. Zwischen den Missionen ist man auf dem eigenen Kreuzer, der Hyperion. Man kann verschiedene Räume besuchen (Labor, Kantine, Brücke, Ausrüstungsdock) und dort mit den Charakteren reden. Wenn man in einer Mission eine Forscherin rettet, ist sie danach im Labor zu finden und man kann mit ihr über das Geschehene reden. In der Kantine gibt es eine Jukebox mit einigen lizenzierten Titel und selbst angefertigten (“A Shotgun, Zerg, and You”, das Highlight schlechthin)  Liedern, es gibt einen Arcadeautomaten wo man wirklich spielen kann, quasi ein Spiel im Spiel. Es gibt ein Fernseher wo man Nachrichten verfolgen kann und wo auch mal Werbung abgespielt wird, wie der grandiose iPistol Spot wo ein Space Marine im IPod Style mit seiner Waffe tanzt. Es gibt dutzende, wenn nicht sogar tausende kleiner Details und Anspielungen.

Auch das Innere des Raumschiffs ist klasse inszeniert.

Z.B. kann man, wenn man genau sucht, in einigen der ersten Missionen ein Tauren-Klo finden, eine wunderbare Hommage an World of Warcraft, und noch vieles andere das vor Ironie teilweise nur so trieft. Das bringt uns gleich zum nächten Punkt,

Sound und Synchro

Hier erwartet einem gleich am Anfang ein Kulturschock. Aus den einst coolen Terranern mit ihrer herausragenden Maintheme

wurde ein Haufen Hinterwäldler aus den Südstaaten die auf ihrem Schiff  “Sweet Home Alabama” hören. Kein Scherz! Auch in den Missionen wird man eher mit Country-Musik beschallt als mit der coolen Scfi-Musik. Ist das am Anfang noch ungewohnt, fügt sich das bald ins Gesamtbild ein. Den Terraner haben generell eine neue Ausrichtung Marke “Leck mich am Arsch, hier bin ich und hier bleibe ich”. Unbeugsam und Engstirnig und nicht gerade die hellsten. Wie Südstaatler eben womit der Kreis geschlossen ist.

Auch die Vertonung der Einheiten ist Exzellent. Wenn der WBF mit seiner Berliner Schnauze rumpöbelt und beständig genervt ist ist das einfach großartig. Auch die anderen Einheiten haben wunderbare Stimmen, das Highlight ist aber definitiv der Thor (Ein haushoher Kampfroboter) der von Arnold Schwarzenegger benannt wird. Da ist es gleich noch schöner, wenn man den Angriffsbefehl gibt und ein “Ziel wird terminiert” erfolgt. Überhaupt zitieren die Terraner wieder aus jedem Film und Serie die man kennt. Das fängt beim Thor an, der fleißig Arnies berühmteste Sprüche runter betet geht weiter zum Full Metall Jackett Mantra beim Space Marine (“Dies ist ein M4-Gaussgewehr, es gibt viele davon doch dieses hier ist meins”) und auch Homer Simpson darf nicht fehlen, in Form des Ghosts, dem Nuklearspezialisten der Terraner. (“Nukular, das Wort heißt… Nukular”). Jede Einheit hat mehrere Sprüche die sie beim mehrmaligen Anklicken zum besten gibt. Es entlockt immer wieder schmunzler, wenn der Medic im Voyager-Stile fragt “Worin liegt die Art des medizinischen Notfalls” oder wenn der Kommander des schweren Kreuzers zur Eile drängt, weil er heute noch einen Raid hat.

Hier mal ein paar Englische Beispiele.

Was man positiv hervorheben muss ist das Blizzard sich nicht zu schade war jede einzelne Textur zu übersetzen. Ihr habt richtig gehört, wenn ihr auf Deutsch spielt, gibt es nicht einen Englischen begriff. Ob in der Mission, auf dem Schiff oder irgendwo im Hintergrund, jedes Wort das man irgendwo lesen kann ist auf Deutsch, egal wie klein und Unwichtig das ist. Als Beispiel sei da die Nachrichten genannt mit der N24 typischen Laufleiste am unteren Rand. Sachen die Null mit den Geschehnissen zu tun haben, aber alles perfekt lokalisiert.

Grafik

Am Ton gibt es also nichts auszusetzen? Wie sieht es bei der Grafik aus?  Nun auch hier muss man objektiv sein, es gab schon bessere. Starcraft 2 hinkt den Standards des Genre weit hinterher. Weder gibt es Physikeffekte wie bei Dawn of War 2, noch gibt es solche Einheitenmassen wie bei Supreme Commander. Auf den ersten Blick sieht das Spiel einfach nur altbacken und billig aus. Aber auch hier wieder Details Details Details. Es fängt bei Kleinigkeiten an wie z.B. das es für jede Einheit dutzende Todesanimationen gibt, abhängig von was für einer Waffe sie getroffen wurden. Ein Spacemarine wird erschossen, von Stacheln aufgespießt, mit Säure zersetzt, von Klauen zerrissen, von Flammen geröstet oder durch eine Belagerungswaffe zerfetzt und alles detailliert dargestellt. Es ist optisch ein großer Unterschied ob ein Haufen Zerglinge von Flammenwerfern gegrillt oder von schweren Kreuzern weggelasert werden.  Fliegende Terranergebäude spucken aus genau den richtigen Düsen Flammen um sich herumzubewegen und die Animationen selbst sind butterweich.

Im großen und ganzen also altbacken bzw. ein bekannter Look aus den Vorgängern, dafür kann man sich aber auch hier in den Details verlieren.

Nur in Massenschlachten macht die Grafik was her

Multiplayer

Kommen wir abschließend zu einen wichtigen Part,  dem Multiplayer.  Das ist ein Knackpunkt da Starcraft 2 für E-Sport der härteste Sorte steht. Wenn man sich anschaut wie manche Leute spielen verliert man schonmal den Mut bevor es angefangen hat.

Doch auch hier gibt es neues. Zum einen gibt es im Spiel eine umfangreiche Hilfe die z.B. alle Einheiten auflistet sowie angibt wogegen sie gut und wogegen sie schlecht sind. So kann man schon im Vorfeld erkennen womit man welche Einheit kontern kann. Als Terraner hat man es sogar noch leichter da es so ziemlich für jede Einheit im SP eine dazu passende Mission gibt. Und wem das noch nicht reicht, es gibt Szenarios wo man bestimmte Multiplayertaktiken trainieren kann z.B. wie man gewisse Einheiten kontern kann oder wie man effektiv einen Rush abwehrt.  Am Anfang hat man die Möglichkeit 50 Anfängermatches zu machen, Spiele ohne Wertung wo die Wege anfangs blockiert sind so das es keine Rushes gibt. Man hat mehr als genug Zeit also sich an das Spiel und die Rasse zu gewöhnen bevor es in den Ligen rund geht. Und auch bei den Liegen gibt es Unterscheidungen. Am Anfang (bzw. nach den Übungsmatches) macht man 5 Testspiele an denen man bewertet wird. Anschließend wird man einer Liga zugeordnet. Von Diamant, wo man nur mit der Einladung eines Pro-Gamers reinkommt bis hin zu Bronze gibt es genügend Abstufungen für jeden Fähigkeiten-stand. Man ist nicht so gut? Kein Problem, hat man in der Bronzeliga seinen Spaß. Den Spaß macht es definitiv. Den im Gegensatz zu anderen Spielen gibt es hier ein sehr klares Schere-Stein-Papier System woran man nach einem Spiel seine Fehler erkennt. Es gibt Replays, die man vor und zurück spulen kann, die man mit anderen teilen kann und wo man sich auf Wunsch weitere Informationen anzeigen lässt wie z.B. die APM (Aktionen pro Minute). Man erkennt sofort was man falsch gemacht hat, was man besser hätte machen können womit der Ehrgeiz kommt es auch besser zu machen.

Im Replay gibt es dutzende Möglichkeiten die Daten auszuwerten, hier ein Ressourcenvergleich

Hier ein Vergleich der Einheitenzahl

Jede Einheit hat eine klare Aufgabenverteilung und Baureihenfolge. Man kann schon mit einem flüchtigen erkunden erkennen was der Gegner für Gebäude baut und daraus Rückschlüsse ziehen womit er angreifen wird und man kann sich entsprechend darauf vorbereiten.  Im großen und Ganzen ist der Multiplayer sehr gut gelungen. Es gibt die große Bundesliga für die ganzen Profis, aber auch Anfänger/Gelegenheitsspieler haben ihren Dorfbolzplatz um sich auszutoben.  Und ein großes Lob noch für die Hotkeys. Bei vielen Spielen sind Hotkeys meist nach dem ersten Buchstaben des Gebäudes/Einheit benannt. Was am Ende zu einem bunten Spagettihaufen auf der Tastatur führt. Bei SC2 gibt es das “Netz”. Das Einheiten/Baumenü besteht aus 3 Zeilen mit jeweils 5 Feldern.  Und genau so sind sie auf der Tastatur angelegt, Q-T, A-G und Y-B.  Nach kurzer Eingewöhnung geht das fix von der Hand und man baut so schnell Gebäude ohne Klicken zu müssen. Das ist echt super.

Kommen wir zum Fazit:

Starcraft 2 macht es einem sehr schwer es zu bewerten.  Auf der einen Seite klare Mängel.   Altbackene Grafik, Gameplay von Vorgestern, viele Bedienungsstandards die sich etabliert haben werden ignoriert (z.B. das Gruppen sich von Natur aus mit der selben Geschwindigkeit fortbewegen.) und das Spiel spielt sich schnörkellos genau wie Starcraft 1.  Dazu kommt noch das es Battle.Net zwang gibt was einen Weiterverkauf unmöglich macht und Lan Modus gibt es auch nicht mehr, von der tollen Spawn Version des ersten Teils ganz zu schweigen. :( An sich also ein gutes Spiel wenn auch nicht überragend, wenn da nicht die ganzen Details werden. Man findet immer wieder neue Anspielungen, neue Animationen neue Sachen die zeigen mit welcher Liebe das Spiel gemacht wurde. Wie soll man das bewerten? Daher hab ich mich am Ende so entschieden:

Von 100 möglich Punkten bekommt Starcraft 2 vom Bauchgefühl her:

94 Punkte, weil es einfach absolut klasse ist, mit soviel Liebe und Details, da kommt kein anderes Spiel ran.

Es gibt 5 Punkte Abzug, weil es einen Rückschritt im Genre darstellt. Das Spiel ist Super gemacht, aber vom Gameplay her absolut Innovationslos und vorsintflutlich.  Wer mit dem alten Spielstil nichts anfangen kann, wird hier nicht glücklich. Und mit etwas Mühe und Weiterentwicklung hätte man daraus großartiges machen können, ein richtiger Genre-Meilenstein wie es Starcraft 1 war. So bleibt es tief im Inneren nur ein Aufguss vom Vorgänger.

Und dann gibt es noch einmal 4 Punkte Abzug wegen Battle.Net und fehlendem Lan-Modus.

Bleiben am Ende für dieses Spiel: 85 Punkte und eine klare Kaufempfehlung.

oder um es anders auszudrücken:

Hell, it’s about time!

About the Author

24 Jahre (fast 25 :( ) Begeisterter Sci-Fi Zuschauer Beruf: 3D/2D Artist Hobbys: Computer spielen, im Auto rumheizen, Kino. Beziehungstatus: Glücklich vergeben.