Wir schreiben das Jahr 2010 und deutscher Sci-Fi ist tot. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob es jemals wirklich gelebt hat, aber alle großen Serien und Franchisen kommen aus dem Ausland. Doch ab und zu gibt es ein Lebenszeichen, einen kleinen Piepser auf dem Herzschlagmonitor. Einer dieser Piepser ist Stefan Burban, aus dem Schwabenland, ein (noch) unbekannter Autor, der mit “Düstere Vorzeichen” seinen ersten Military-Sci-Fi-Roman geschrieben hat. Als Defibrillator dient dabei der Atlantis Verlag, der dafür bekannt ist, aufstrebenden Autoren eine Chance zu geben.
Für alle die es nicht wissen, Military-Scifi bedeutet Kriegsgeschichten im Sci-Fi-Gewand. Also keine “wir-haben-uns-alle-so-lieb”-Knuddelei wie bei Star Trek,
hier wird scharf geschossen.
Ob das Buch der Beginn eines neuen Lebenszyklus sein könnte oder ein letztes Zucken einer kalten Leiche erfahrt ihr hier.
Werfen wir zu erst einen Blick auf den Autor selbst. Auf seiner Seite http://www.stefan-burban.de/39994.html gibt er ein paar Informationen über sich preis.
Der erste Blick wirkt etwas ernüchternd, eine graue Seite mit niedrigem Besuchercounter und einem netten jungen Mann der einem entgegen lächelt. Der Blick in die
Biografie wirkt ebenfalls nicht ermutigend, ein kaufmännischer Sachbearbeiter, der sich als Autor versuchen will und keine literarische Ausbildung hat, zumindest
ist keine auf der Seite ersichtlich. Bei dem Buch handelt es sich auch um das Zweite, das er bisher veröffentlicht hat. Wenn man jetzt noch auf den Preis des Buches
schaut (bis zu 14 Euro) und die Seitenzahl (256 Seiten) gibt es am Anfang schon einmal einen Haufen “Düsterer Vorzeichen” am Horizont. (Obwohl ich an der Stelle bereits erwähnen möchte, dass das Buch kein typisches Taschenbuch ist, sondern in einem Großformat gedruckt, wodurch sich das Preis-Seitenverhältnis bereits wieder erklärt.)
Aber einen Landsmann unterstützt man nun mal und da wir euch ja über alles informieren wollen, was so im Sci-Fi Bereich passiert, wurde das Buch gekauft.
Wir schreiben das Jahr 2140, die Menschheit hat den Überlichtantrieb entdeckt, das All besiedelt, sich mal wieder gegenseitig in Unabhängigkeitskriegen das
Leben schwer gemacht und traf schließlich auf Außerirdische. Da wären zum einen die Til-Nara, eine hoch entwickelte insektoide Rasse, die auf Biowaffen setzt,
aber mit der Menschheit nicht allzu viel zu tun haben will. Und da wären noch die Ruul, eidechsenähnliche Humanoide, die in Stämmen leben, sich nomadenhaft durch
das Weltall bewegen, aber nicht wirklich über großes Know-how verfügen. Für die Menschheit sind die Ruul eher ein Ärgernis, bis diese es schaffen an Erdtechnologie
zu kommen und sie für ihre Raumschiffe zu adaptieren. Aus diesem Grund wachsen die Ruul schnell zu einer Bedrohung heran und die Möglichkeit für einen offenen Konflikt
steigt rapide. An dieser Stelle beginnt der Roman.
Wer mehr über die Vorgeschichte wissen will, findet das Ganze ausführlicher hier: http://www.stefan-burban.de/40898/40907.html
Das Buch dreht sich um den Stapellauf der TKS Lydia, ein neuer Schiffstyp der sogenannten Schlachtträger. Der Autor hat sich bei den Raumschiffen hauptsächlich an der
heutigen Marine orientiert. Es gibt Träger, Zerstörer, Kreuzer und kleinere Fregatten, auch verschiedene Variationen von Jägern und Bombern haben ihren Weg in die
Erdflotte gefunden. Die TKS Lydia ist das erste Schiff der Nemesis-Klasse, welche quasi eine Eierlegende Wollmilchsau darstellen. Das Schiff ist schwerer bewaffnet
als alles andere und verfügt dazu noch über 2 Flugdecks, von denen bis zu 600 Jäger gestartet werden können. Auch bei der Bewaffnung gibt es eine schönes Sammelsurium
von allem, was die Sci-Fi Welt zu bieten hat. Wo sich Serien wie Star Trek auf Laser und Energiekugeln beschränken, hat die Lydia über 30 Torpedorohre, tonnenweise
Flakgeschütze, Laser, Impulswaffen und auch noch Anti-Schiffsraketenwerfer. Einige werden jetzt wohl eine Gigantonomie-Geschichte befürchten, sprich super tolles
Schiff rotzt alles weg, was irgendwie nach Feind aussieht. Hier kann man gleich Entwarnung geben. Jede Waffengattung hat ihre Aufgabe, was im Buch auch sehr
gut rüber gebracht wird und das Schiff selbst hat auch einige Nachteile, so ist es z.B. überbewaffnet, was zu Problemen führen kann, desweiteren ist das Schiff
auch exorbitant teuer (verschlingt die Kosten wie von 3 anderen Großkampfschiffen) und nicht alle Menschen sind vom Bau dieses Schiffes begeistert. Es ist also
kein Allheilmittel, sondern ein Experiment, das auf dem Prüfstand steht. Das Schiff muss sich in diversen Testmanövern erst einmal beweisen. Daher gibt es gerade
am Anfang ein schönes Hickhack zwischen diversen hochrangigen Personen, die verschiedene Ansichten vertreten, was den Bau des Schiffes angeht.
Aber kein Schiff kommt ohne Crew aus. Diese ist ein buntes Potpourri der verschiedensten Persönlichkeiten. Neben dem Captain gibt es einen Geheimdienstoffizier, einen
jungen Lieutenant, der dank Vitamin B nach oben gekommen ist, aber eigentlich keine Ahnung hat, jemanden der vor Neid und Missgunst zerfressen wird und noch diverse andere.
Auch ein Verräter darf natürlich nicht fehlen und der Marine Marke “Harter Knochen” (in diesem Fall dargestellt durch eine Frau) darf ebenso wenig fehlen. Die Figuren
sind aber schön ausgearbeitet und es gibt auch immer gute Gründe für das Verhalten einzelner und so manche Überraschung und Wendung, die man so nicht erwartet hätte.
Aber hier dreht es sich um den Krieg und nicht um ein Charakterdrama, daher dauert es auch nicht lange, bis die Lydia Schwierigkeiten bekommt.
Der Autor beweist dabei ein Händchen für spannende Situationen. Es dürfte jeder auf seine Kosten kommen, der Action mag. Es gibt Enterszenen, Kämpfe innerhalb von
Schiffen und natürlich Raumschlachten, die teilweise gigantische Ausmaße annehmen mit mehreren 1000 (!!!) Schiffen, die beteiligt sind. Der Autor jongliert dabei gekonnt
mit diversen Schiffstypen und Waffensystemen. Zu jedem Zeitpunkt ist nachvollziehbar, wieso gerade diese Waffe verwendet wird und wieso es sinnvoll ist auf gerade
dieses Ziel zu feuern. Auch bei den ausufernden Massenschlachten nimmt sich der Autor regelmäßig Zeit, einen Schritt zurückzutreten und die Gesamtsituation zu
erfassen. Da folgt er eben einem Bombergeschwader bis zu seinem Ziel, um dann wieder wegzuschwenken, um zu zeigen welche Auswirkungen die Vernichtung selbiges für die
Schlacht hat. Was man eventuell ankreiden könnte, wäre dass gerade bei großen Schlachten sich alles um die Schlachtträger dreht und die kleineren nur dazu da sind, um zu
platzen für die Quoten-Toten, aber das dürfte auch nicht anderes zu realisieren sein.
Aber genug vom Inhalt, kommen wir zum Schreibstil. Der Roman ist durchweg locker zu lesen und es gibt keine Passagen, die langatmig sind oder andere Schwierigkeiten bereiten.
Jede Figur hat ihren eigenen ausgeprägten Charakter, was es einem leicht macht, sich die Namen zu merken. Wenn man Autoren wie Graham McNeill gewöhnt ist, wo sich
ein Edler Recke ohne Fehler neben den anderen stellt, ist es hier eine wahre Wohltat. Hier musste ich kein einziges Mal zurückblättern, um zu schauen, wer die Person
jetzt nun ist und zu keinem Zeitpunkt hab ich ein Personenregister wie bei der Horus-Heresy Reihe vermisst. Auch die Beschreibung des Universums ist sehr gut gelungen.
Es gibt keine lange Einleitung, die erst mal erklärt, worum es geht wie bei diversen Dan Abnett Büchern. Es gibt auch keine künstlichen Dialoge, in denen Personen über etwas reden,
was eh jeder weiß, nur damit der Leser es auch mitbekommt. Der Vorteil von Burbans Universum ist, dass die Menschen selbst auch über die anderen wenig wissen und man
so im Grunde Live dabei ist, wenn die Menschen wichtige Entdeckungen machen und Eigenschaften bei anderen Rassen feststellen, ohne das es gekünstelt wirkt. Das merkt
man vor allem beim ersten Kampf gegen die Til-Nara. Die Menschen sind genauso ahnungslos wie der Leser selbst, was eine starke Spannung erzeugt, da wie schon weiter oben beschrieben, der Autor ein Händchen für taktische und strategische Beschreibung der Kämpfe hat. Als Militärfan habe ich öfters anerkennend genickt, wenn der Autor eine
taktische Situation beschreibt und anschließend die Entscheidung des Captains aufzeigt und die Vor- und Nachteile, die damit verbunden sind.
Wie schaut nun das Fazit aus? Ich hab das Buch inzwischen zwei Mal gelesen, was für seine Qualitäten spricht. Ich bin zwar kein gelehrter Literarist, aber ich glaube zu
erkennen, dass in Stefan Burban ein großes Talent schlummert. Natürlich gibt es ein paar kleine Fehler und manchmal schimmert auch die “Rule of Cool” durch, zum Beispiel
wenn eine theoretische Abteilung des Geheimdienstes “Rocket” heißt und man das Gefühl hat, der Autor wollte auf Teufel komm raus einen coolen Namen. Aber diese Fehler sind
die Ausnahme und es überwiegt der positive Eindruck. Ob man nun Raumschlachten mag, ob man gerne einen jungen Knaben sieht, der vom Feuersturm überfordert, aus sich
heraus wächst und zum Mann wird (ich entschuldige mich für diese abgedroschene Phrase), oder ob man sich für die erschreckend intelligenten Ruul interessiert und wie diese
die anderen Völker geschickt gegeneinander ausspielen, man kommt definitiv auf seine Kosten.
Der Kauf hat sich wirklich gelohnt. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses Buch zuzulegen. Zum einen weil es eben sehr gut ist und zum anderen auch, damit es weitergeht. Der Sprung vom Kaufmann zum Autor ist Stefan Burban glänzend geglückt und wenn er so weitermacht, dürfte auch ein Aufstieg zum Star-Autor durchaus möglich sein.
Daher eine uneingeschränkte Kaufempfehlung von meiner Seite aus.



Sascha Marquardt (sm) sagt:
Ein echt klasse Review! Da packt es mich schon fast, wieder anzufangen Bücher zu lesen. Sollte dies in ferner Zukunft so sein, dann fange ich mit dem Buch wieder an.
Übrigens auch eine Klasse Buchreihe: Isaac Asimov’s Lucky Starr… das ist einfach nur genial.
Jul 15, 2010, 23:28Nym Traveel sagt:
Hab mir das Buch mal zugelegt, bin echt gespannt
Jul 15, 2010, 16:35Thomas Dettmann (td) sagt:
Ich wünsche dir Spaß und würde mich auf ein Feedback freuen.
Jul 15, 2010, 16:50